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Deutschlands Strommix von 2009 bis 2019: Das kommt bei uns aus der Steckdose

Dieses Jahr ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG in Deutschland 20 Jahre alt geworden. Mittlerweile ist aus der einstigen Utopie, unser Energiesystem CO2 neutral aufzustellen, ein realistisches Szenario geworden. Selbst das englischsprachige Wikipedia macht sich nicht mehr die Mühe, “the German Energiewende“ zu übersetzen.

Die Energy-Charts des Fraunhofer ISE dokumentieren und illustrieren diesen Umbau. Wo stehen wir, wo läuft es gut und wo hakt es? Wir haben den Zoomfaktor verkleinert und einen Vergleich der Netto-Stromerzeugung – also jenem Strommix, der am Ende aus der Steckdose kommt -- der vergangenen elf Jahre zusammengestellt.


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Die Nettostromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt, von 18,5 Prozent auf 46 Prozent. Damit lag sie 2019 das allererste Mal vor den fossilen Energieträgern, die letztes Jahr nur noch 40 Prozent beisteuerten.

Wind- und Solarenergie

Dieser Wendepunkt im Strommix beruht maßgeblich auf der Windenergie: Von nur 8 Prozent in 2009 stieg ihr Anteil auf knapp 25 Prozent in 2019. Damit ist Wind jetzt die stärkste Energiequelle Deutschlands! Das meiste davon erzeugen noch Onshore Windenergieanlagen, etwa ein Fünftel der installierten Windenergieanlagen befinden sich in der Nord- und Ostsee.

Bei der Solarenergie konnte ebenfalls ein deutliches Wachstum von einem auf 9 Prozent verzeichnet werden. Auch wenn dies ebenfalls ein guter Erfolg ist, würde das deutsche Energiesystem von einem höheren Anteil an solarer Erzeugung profitieren.

Dies zeigte sich beispielsweise im »Jahrhundertsommer« 2018: Der Anteil an erneuerbaren Energien lag in den Sommermonaten deutlich unter dem Jahresdurchschnitt, da es wenig Wind gab und die Wasserkraft aufgrund fehlender Niederschläge auch nur wenig produzierte. Die warmen Flüsse führten dazu, dass konventionelle Kraftwerke nicht mehr ausreichend gekühlt werden konnten und die niedrigen Pegelstände führten zu Transportengpässen bei Steinkohle.

Unter diesen Rahmenbedingungen wäre Solarenergie die optimale Energiequelle. Allerdings ist die derzeit installierte Leistung zu klein, um – trotz optimaler Witterungsbedingungen – die Ausfälle bei anderen Quellen kompensieren zu können.

Atomenergie und Kohle

Die Zuwächse bei den erneuerbaren Energien haben den Rückgang der Kernenergie von 25 Prozent (2009) auf 13,7 Prozent Anteil am Strommix in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren komplett kompensiert.

Die Braunkohle als schmutzigste Energiequelle hat sich gegen alle Konkurrenz gehalten. Grund dafür waren die für lange Jahre anhaltenden, niedrigen Preise für die CO₂-Zertifikate. Durch die geringen Produktionskosten hatten sich so die Exportüberschüsse von 12 TWh in 2009 auf 50 TWh in 2017 und 2018 erhöht. Da die CO₂-Zertifikatspreise 2018 und 2019 stark gestiegen sind, ändert sich dieses Bild aktuell. Im Jahr 2019 waren es nur noch 34 TWh. Insgesamt machte die Braunkohle 2019 noch 20 Prozent der Nettostromerzeugung in Deutschland aus.

Der Anteil der Stromerzeugung aus Steinkohle ging von 18 auf 10 Prozent zurück. Sie konnte sich gegenüber der Braunkohle nicht behaupten, obwohl sie geringere Emissionen aufweist.

Erdgas

Die Stromerzeugung aus Erdgas halbierte sich von 11 Prozent in 2009 auf 5,5 Prozent in 2015. Seit 2016 hatte sich der Anteil erst bei ca. 8 Prozent stabilisiert, um in 2019 wieder auf 10,5 Prozent zu steigen. Gaskraftwerke sind schnell regelbar und dadurch eine gute Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Sie werden heute noch mit fossilem Gas betrieben und können später auf erneuerbares Gas umgestellt werden.

Genauer unter die Lupe nehmen kann man dieses Thema und viele andere Daten und Fakten auf der Seite Fraunhofer ISE »Energy Charts«.

Bruno Burger

Bruno Burger

Prof. Bruno Burger arbeitet als Abteilungsleiter »Neue Bauelemente und Technologien« am Fraunhofer ISE

Er hat an der Universität Karlsruhe Elektrotechnik studiert und dort promoviert. Seit 2001 arbeitet er am Fraunhofer ISE, wo er die Abteilung Leistungselektronik aufbaute und bis 2013 leitete.
Seit 2011 beschäftigt er sich mit der Visualisierung von Energiedaten und betreibt seit 2014 die Seite energy-charts.de, auf der stündlich aktualisierte Energiedaten in Form von attraktiven Grafiken zur Verfügung gestellt werden.

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