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Ist das Heizen mit Wärmepumpen nicht zu teuer?

Folge 8 der Serie «Wärmepumpen im Bestand» mit einer ökonomischen Betrachtung der Betriebskosten

Unabhängig davon, wie ökologisch sinnvoll eine Technologie ist, wird sie sich nur durchsetzen, wenn sie auch ökonomische Vorteile für ihre Nutzer hat. Die Technik muss sich für den Verbraucher rechnen. Eine umfassende wirtschaftliche Bewertung von Wärmepumpen ist relativ komplex und hängt von sehr vielen Faktoren ab. Die Geräte sind in der Anschaffung derzeit noch teurer als beispielsweise Gaskessel, auch wenn die Differenz je nach Modell und Qualität schwankt. Angesichts der weiter steigenden Produktionszahlen ist allerdings davon auszugehen, dass die Gerätepreise deutlich fallen werden. Zurzeit werden die Mehrkosten für die Geräte größtenteils (oder sogar vollständig) durch unterschiedliche Formen der Förderung aufgefangen. Für den Endnutzer ist die Betrachtung der Betriebskosten wichtiger. Der Blogbeitrag wird sich daher auf diesen Aspekt konzentrieren.

Ungleiche Ausgangslage bei den Heizkosten

Bei elektrisch betriebenen Wärmepumpen ist der Strompreis entscheidend für die Betriebskosten. Wie unterschiedlich dieser in seiner Zusammensetzung (Anteil der Steuern und Abgaben) und Höhe in unterschiedlichen Ländern sein kann, zeigt die folgende Grafik (Datenquelle).

Strompreise für Haushaltkunden inkl. Steuern und Abgaben in Cent pro kWh im Jahr 2020. ©Fraunhofer ISE

Laut „Eurostat“, der Statistikbehörde der Europäischen Union, sind die Strompreise für Haushaltkunden unter allen untersuchten Ländern derzeit in Deutschland am höchsten. Sie sind in den letzten 10 Jahren um 20% gestiegen. Dabei ist insbesondere der Anteil von Steuern und Abgaben am Strompreis in Deutschland hoch. Der Hintergrund ist, dass in Deutschland die Energiewendekosten vor allem auf den Strompreis umgelegt werden und kaum auf die Preise von Heizöl und Erdgas. Der europäische Strompreis-Mittelwert liegt bei 21 Cent, und damit sehr nah an den Preisen in Österreich. Eine bemerkenswerte Entwicklung ist in den Niederlanden zu beobachten. Die privaten Haushalte bezahlen dort weniger als halb so viel wie in Deutschland. Die Steuern und Abgaben auf den Strompreis wurden konsequent gesenkt. So sind die Preise in den letzten 10 Jahren um gute 20% gesunken.  

Vergleich der Betriebskosten

Neben den Strompreisen sind noch andere Faktoren für die Abschätzung der Betriebskosten von Wärmepumpen wichtig. Offensichtlich ist der energetische Standard des Gebäudes sowie die Größe der beheizten Fläche maßgeblich für den Energiebedarf und damit für die Betriebskosten. Darüber hinaus ist die Effizienz der Wärmepumpen zentral. Im Vergleich mit anderen Heizsystemen stehen die Energiekosten des alternativen Energieträgers im Mittelpunkt.

In Deutschland werden Heizöl und Erdgas derzeit steuerlich geringer belastet als Strom. Im Ergebnis ist der Preis für den Strom zum Betrieb der Wärmepumpe knapp viermal so hoch wie der Preis von Heizöl und Erdgas. Mit der seit Januar 2021 geltenden CO2-Bepreisung, die zu einer schrittweisen Steigerung der Gas- bzw. Heizölkosten führt, wird sich dies jedoch ändern. Zudem sind aufgrund politischer Willenserklärungen vieler Akteure davon auszugehen, dass die EEG-Umlage in nächsten Jahren deutlich gesenkt wird. Damit werden Wärmepumpenanlagen wirtschaftlich immer attraktiver.

Die folgende Grafik zeigt die monatlichen Kosten von Häusern mit unterschiedlichem Energiestandard (nicht saniert, teil-saniert und saniert) mit einer Wärmepumpe sowie einem Gaskessel. Bei der Wärmepumpe wurde sowohl der heutige mittlere Wärmepumpentarif von 24 Cent als auch der Preis von 20 Cent -der eine deutliche Senkung der EEG-Umlage berücksichtigt – betrachtet. Die monatlichen Kosten sind in Abhängigkeit von der Effizienz der Wärmepumpe dargestellt. Beim Gaspreis wurde die gesetzlich eingeführte CO2-Bepreisung (BEHG) für die Jahre 2021 und 2025 sowie eine Abschätzung für spätere Jahre berücksichtigt. Die Effizienz des Gaskessels wurde für die Berechnung mit 90% angenommen.

Monatliche Betriebskosten für ein 150 m² Haus mit unterschiedlichen Energiestandards. © Fraunhofer ISE

Bei den Betriebskosten ist der Einfluss der Effizienz besonders deutlich sichtbar. So liegen zum Beispiel die monatlichen Kosten einer Wärmepumpe mit einer Effizienz von 3,0 (z.B. für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe) derzeit mehr als 40 € höher als bei einer Erdreichwärmepumpe mit einer Effizienz von 4,0 – in beiden Fällen für ein unsaniertes Haus. Beim teil-sanierten Haus beträgt die Differenz gute 30 €. Für das sanierte Haus sind es dagegen nur knapp 20 €.

Effizienz der Wärmepumpe beeinflusst Betriebskosten deutlich

Unter Berücksichtigung der aktuellen Preise in Deutschland, muss eine Wärmepumpe mindestens eine Effizienz von 3,5 erreichen, um in etwa die gleichen Betriebskosten wie ein Gaskessel aufzuweisen. Da sich die Gaspreise in den nächsten vier Jahren aufgrund der steigenden CO2 Kosten um 1 Cent pro kWh auf 7,5 Cent im Jahr 2025 erhöhen dürften, wird bereits eine Wärmepumpe mit der Effizienz von 3,0 im Betrieb wirtschaftlich vergleichbar mit einem Gaskessel sein. Wenn die Gaskosten weiter steigen oder die Stromkosten fallen, zum Beispiel aufgrund einer Senkung der EEG-Umlage, erreicht die Wärmepumpen deutliche Kostenvorteile. In unserem Beispiel wird dann eine Wärmepumpe mit einer Effizienz von 2,5 wirtschaftlicher sein als eine Gasheizung.

Eine vereinfachte Darstellung der Ergebnisse zeigt folgende Grafik. Beispielhaft wurde für den Vergleich nur das teil-sanierte Haus in Betracht gezogen.

© Fraunhofer ISE

Die monatlichen Kosten wurden jeweils für eine Wärmepumpe und eine Gasheizung berechnet. In dem oberen Beispiel wurde die Effizienz vom 3,0 und in der unterem eine Effizienz der Wärmepumpe von 3,5 betrachtet. Die Balken mit der grünen Farbe zeigen jeweils die günstigste Lösung. Eine Wärmepumpe mit der Effizienz von 3,5 erreicht bereits mit heutigen Preisen ökonomische Vorteile gegenüber einer Gasheizung.    

Wie in der letzten Folge der Blog-Serie dargestellt, bringen Wärmepumpen eindeutige ökologische Vorteile gegenüber fossil betriebenen Heizsystemen. Bei der ökonomischen Betrachtung der Betriebskosten, wird deutlich, dass die Senkung der Strompreise in Deutschland eine Schlüsselstrategie zur Erhöhung der Attraktivität von Wärmepumpen im Vergleich zu fossilen Heizungssystemen ist.

Durch eine systematische Reduzierung der Steuer- und Abgabenbelastung von Strom wird die Wärmepumpe in nahezu allen Fällen zur ökonomisch und ökologisch vorzugswürdigen Technologie. In der von PWC im Jahr 2020 durchgeführter Studie „Chancen und Risiken für die deutsche Heizungsindustrie im globalen Wettbewerb“ heißt es dazu: „Die Kosten für die Energiewende sollten daher vom Strom hin zu Heizöl und Erdgas verlagert werden, um die Klimaverträglichkeit der Wärmeträger stärker zu berücksichtigen.“

In der nächsten Folge der Serie werden wir die Technologieentwicklung bei Wärmepumpen betrachten. Die Kernfrage ist dabei „Sollten wir nicht lieber noch etwas mit dem Einbau warten, bis die Wärmepumpen wirklich für den Einsatz in Bestandsgebäuden geeignet sind?“

Zum Weiterlesen:

„Chancen und Risiken für die deutsche Heizungsindustrie im globalen Wettbewerb“. PwC-Studie 2020: Wärmepumpen für die Wärmeversorgung von Gebäuden haben großes Potenzial: https://www.pwc.de/de/energiewirtschaft/die-deutsche-heizungsbranche.html

Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen.

Teil 7 der Serie «Wärmepumpen im Bestand»: Wie ökologisch arbeiten Wärmepumpen im Bestand?

Teil 6 der Serie «Wärmepumpen im Bestand»: Wie gut haben sich Wärmepumpen in teilsanierten und unsanierten Gebäuden in der Praxis bewährt?

Titelbild © Pixabay. Dieser Blogbeitrag wird finanziell durch die Stiftung Klimaneutralität unterstützt.

Marek Miara

Marek Miara verfügt über langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Am Fraunhofer ISE arbeitet er bereits seit 18 Jahren, gegenwärtig ist er dort als „Business Developer Heat Pumps“ tätig. Er ist Master-Absolvent der Technischen Universität Breslau (2000) sowie der Universität Kassel (2004). Im Jahr 2014 promovierte er an der Technischen Universität Breslau.
Neben nationalen Projekten betreute er internationale EU-Projekte und Aktivitäten im Rahmen von IEA - Heat Pump Technologies. Für Annex 50 (Heat Pumps in Multi-Family Buildings for Space Heating and DHW) wurde ihm die Rolle des „Operating Agent[s]“ anvertraut. Zudem ist er Mitglied bei mehreren Gremien des VDI (Verband Deutscher Ingenieure), Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kälte- und Klimatechnik (DKV), Vorstandsmitglied des Europäischen Wärmepumpenverband (ehpa) sowie Mitbegründer der polnischen Wärmepumpenverbandes (PORT PC).

1 Kommentar

  • Durchschnittspreis pro kWh in die Niederlanden liegt auf ca EUR 0,20.
    Diskussion um den Steuer auf Strom zu senken und auf Gas zu erhöhen lauft noch.

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